oder was Sie schon immer über Ihren Hund wissen sollten
Ich höre die Hundeprofis sagen: Der Hund stammt vom Wolf ab und weit über 80% der Gene unserer Hunde sind noch wölfisch. Aus diesem Grund müssen wir mit unseren Hunden ein Rudel bilden und wir müssen der Alpha sein!
Tja mal ehrlich: Finden Sie es für sich normal beim Sparziergang die Bäume anzupinkeln um Ihr Revier abzugrenzen? Wenn Ihr Hund von draußen rein kommt, auf alle viere zu gehen und mal mit Ihrer Nase eine Analkontrolle bei Ihrem Hund zu durchzuführen? Oder vielleicht Ihren Hund mal zu besteigen? Nicht? Dann sind Sie kein Alpha, denn der tut so etwas!
Vergessen Sie alles was Sie darüber mal gehört oder gelesen haben! Es ist einfach anders und ich versuche Ihnen zu erklären wie ich dass meine:
Ja es stimmt, dass unsere Hunde vom Wolf abstammen. Dies haben Kynologen erfolgreich erforscht und bewiesen. Mittlerweile gibt es sogar Gentests, die zeigen sollen, wie viel Prozent Wolf noch in den verschiedenen Rassen vorhanden ist oder gar welche Rassen bei einem Mischling mitgewirkt haben. Sicher ist auch, dass viele Instinkthandlungen aus der Zeit der Wölfe stammen. Auch verschiedene Triebe sind Überreste seiner Herkunft.
Aber, schauen Sie sich doch bitte z.B. einen Rehpinscher, Dackel oder Yorkshire-Terrier an. Keiner dieser Rassen sieht dem Wolf wirklich noch ähnlich.
Der Mensch hat aus dem Wolf die verschiedensten Rassen gezüchtet und zwar in relativ kurzer Zeit. Wenn man nun logisch überlegt, dann muss einem klar sein, dass je mehr sich eine Rasse optisch vom Wolf entfernt, desto mehr Inzucht muss vorhanden sein. Kein Züchter dieser Welt kann behaupten, dass Inzucht ausgeschlossen wird. Man hat also über die Jahrzehnte versucht durch Zucht verschiedene Rassen zu kreieren, die dem Anspruch der Menschen angepasst sind.
Da gibt es Jagdhunde, Hütehunde, Herdenschutzhunde, Wachhunde, Jagdhunde und vieles mehr.
Nehmen wir mal als Beispiel den Hütehund. Wieso glauben Sie hütet dieser Hund? Der Hund stammt doch vom Wolf ab? Mit über 80% seiner Gene? Und der Wolf ist ein Raubtier!
Glauben Sie mir wenn ich Ihnen sage, dass kein Wolf auf dieser Welt seine Beute hüten würde, er würde sie jagen und fressen!
Was ist hier passiert? Man hat sich den Jagdtrieb der Hunde zu nutzte gemacht und nur mit denjenigen Tieren weiter gezüchtet, die zwar gejagt aber nicht getötet haben. Der Hütetrieb ist also ein umgewandelter Jagdtrieb. Soviel mal hierzu. Das könnte man jetzt mit vielen Rassen weiterführen und erklären, aber dass würde an dieser Stelle zu weit führen.
Durch diese ständige Zucht und auch Inzucht, haben sich leider auch Fehler eingeschlichen. Diese sind bemerkbar in Gesundheit und Verhalten. Je ursprünglicher ein Hund geblieben ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass diese Hunde gesund und vom Wesen in Ordnung sind. Wobei es hier natürlich auch Ausnahmen gibt. Fakt ist aber, dass ursprüngliche Rassen dadurch auch etwas schwieriger zu händeln sind. Diese Hunde überlegen sich sehr genau ob es sich lohnt, auszuführen was gerade von ihnen verlangt wird.
Manche Menschen bezeichnen das als stur. Man kann es nennen wie man will, es kann anstrengend sein. Aber für manche Hundefreunde hat genau dieses Verhalten seinen Reiz.
Andere Rassen wiederum, die zur Arbeit mit dem Menschen gezüchtet wurden, haben meist das so genannte will to please wie man oft von deren Besitzern oder Züchtern hört. Das bedeutet nichts anderes, als das sich diese Hunde erst richtig wohl und ausgeglichen fühlen, wenn sie ihrem Besitzer gefallen, regelmäßig arbeiten können und für diese Arbeit ausgiebig belohnt werden.
Bei manche Rassen ist dieser Arbeitsdrang so stark ausgeprägt, dass sie bei Unterforderung fast schon hysterisch bis bissig werden können. Solche Hunde sind zwar offensichtlich leicht zu erziehen aber dieser starke Arbeitseifer kann extrem ausgeprägt sein. Diese Hunde fordern täglich ihre Aufgabe, die sie erledigen können und wollen.
Für Menschen mit Zeit- und Bewegungsmangel denkbar ungeeignet. Egal für welchen Rassehund oder aber auch Mischling man sich entscheidet, wichtig ist, dass man dem Anspruch des Tieres gerecht werden kann ? und das für das gesamte Hundeleben, dass bis zu 15 Jahre oder auch länger andauern kann.
Wir halten also fest, dass die Hunde mit denen wir heute leben nicht mehr wirklich viel Wolf in sich haben, bis auf seine Instinkt- und Triebhandlungen die noch in ihnen stecken. Wir müssen also nicht WÖLFISCH sondern HÜNDISCH lernen. Schön anzusehen sind Dokumentationen über die Urväter unserer Lieblinge im Fernsehen, aber so viel ableiten wie man hofft, kann man davon leider nicht. Es ist, wenn man tiefer in die Materie gehen will, zwar ein MUSS den Wolf besser zu verstehen, aber für den täglichen Hausgebrauch reicht es aus, wenn Sie Ihren Hund kennen!



