Was zeichnet einen guten BOSS aus?  

 

Wenn wir in die Menschenwelt gehen und uns überlegen, was für einen Chef wir uns wünschen, oder was für Eigenschaften unser Chef haben müsste, damit er für uns ein guter Boss ist?

Als erstes wünschen wir uns alle, dass unser Chef gerecht ist. Er soll zuverlässig und einschätzbar sein. Auf keinen Fall launisch oder gar kolerisch. Er soll uns für unsere Dienste loben und nicht nur unsere Fehler bemängeln. Er soll uns motivieren unsere Arbeit gerne zu erledigen und auch mal Überstunden zu machen ohne das Gefühl zu haben, dass es sowieso nicht anerkannt und bemerkt wird. Er soll Verständnis dafür haben, wenn es uns mal nicht gut geht und wir unsere Arbeit nicht zu 100% leisten können. Er soll auf uns eingehen und nicht nur derjenige sein, der den Gehaltsscheck unterschreibt.

Würden Sie sich nicht auch so einen guten Chef vorstellen?

 

 

 

Sind wir für unseren Hund ein guter BOSS?

 

Und seien Sie bitte ehrlich zu sich selbst: Ist es denn nicht so, dass der Hund unsere schlechte Laune zu spüren bekommt? Das wir leichter tadeln als loben?

Hierzu sei gesagt, dass wir eher dazu neigen unsere Hunde zu rügen wenn sie etwas falsch machen, als sie zu loben wenn es dann richtig war. Korrektes Verhalten der Hunde ist für uns selbstverständlich, dass muss man doch nicht loben!?!

 

Während meiner Arbeit als Hund-Mensch-Trainer musste ich immer wieder feststellen, dass korrigieren wohl in unserer Natur liegt. Da wird an der Leine geruckt, wenn der Hund nicht richtig Fuß geht, schnüffelt oder pinkelt er während einer Übungen, dann gibt es ein scharfes NEIN. Aber geht der Hund dann mal wirklich aufmerksam neben seinem Besitzer ? wissen Sie was dann vom Besitzer kommt? Nichts! Gar Nichts!

Er geht stolz weiter mit einem Lächeln im Gesicht und eventuell kann man ein na endlich hören. Was hat der Hund gelernt? Nichts! Denn er weiß nur was er nicht machen soll aber keiner sagt ihm wenn er es richtig macht.

 

 

 

Der Mensch ist wie ein fremdes Land!

 

Stellen Sie sich vor, sie kommen nach Japan. Sie verstehen kein Wort japanisch und die Japaner bei denen Sie leben, sprechen weder Deutsch noch Englisch. Also alles ein großes Ratespiel. Sie können also nur über Versuch und Irrtum herausfinden was der andere von Ihnen möchte.

Kommen freundliche Töne und Gesten, muss es wohl richtig gewesen sein, böse oder gar wütende Töne, ergo Fehler.

Wenn jetzt ausschließlich böse Töne kommen würden? Wie lange wären Sie wohl motiviert heraus zu finden, was Ihr Gegenüber von Ihnen möchte?

Denken Sie bitte immer daran: Sagen Sie Ihrem Hund wenn er etwas richtig gemacht hat. Er wird es versuchen wieder zu tun. Er findet Lob toll!

 

 

 

Seien Sie selbstkritisch!

 

Motivieren Sie Ihren Hund? Oder kommt eher der Feldwebel durch und es klingt alles wie ein Befehl? Für den Hund ist es auch angenehmer, bei einem freundlich lockendem HIER zu kommen als bei einem herrischen kommst du jetzt und zwar sofort. Achten Sie darauf ob es Ihrem Hund vielleicht mal nicht so gut geht? Auch Hunde können mal einen schlechten Tag haben. Oder neigen Sie eher dazu den Hund jeden Tag gleich zu behandeln und es dann als heute ist er aber mal wieder stur abzutun? Denken Sie mal darüber nach. Die allerwenigsten Menschen können von sich behaupten, ein guter Chef zu sein. Wir Menschen denken und agieren wir viel komplizierter als ein Hund.

 

Wir neigen oft dazu unsere Hunde zu vermenschlichen. Wir sind z.B. der festen Überzeugung, dass Hunde ein schlechtes Gewissen haben und der Hund genau weiß, dass er als Welpe nicht in die Küche pinkeln darf. Falsch. Er weiß es nicht. Woher denn? Haben Sie ihm das erzählt?

Er spürt nur Ihre Wut über die neue Pfütze und sucht das Weite. Das hat aber nichts mit schlechtem Gewissen zu tun. Und ein erwachsener Hund der schon stubenrein ist, der Ihnen vor die Beine pinkelt, weil Sie sich jetzt nicht mit ihm beschäftigt haben, der pinkelt ganz bewusst und ohne irgendein Gewissen.

Und dann noch Fall 3: Der Hund der über 10 Stunden alleine zu Hause war und in die Küche gepinkelt hat, weil er es nicht mehr ausgehalten hat.

Seien Sie dankbar, dass er nicht menschlich handelt, sonst wären es nicht die Küchenfliesen, sondern Ihr feiner Perser!

 

 

 

 

Was bedeutet es der BOSS zu sein?

 

Wir sind weder Wölfe noch Hunde und das wissen auch unsere Vierbeiner. Deshalb sind die Begriffe Boss, Chef, Alpha oder wie auch immer, sehr veraltet und eigentlich unpassend. Teamleader trifft es vielleicht besser.

Denn eigentlich wäre alles so einfach, wenn wir mit unseren Hunden ein Team bilden würden. Das bedeutet doch nicht, dass wir uns von unseren Tassos und Lassies auf der Nase rum tanzen lassen müssen. Wir sollten nur lernen ein guter Teamleader zu sein. Das Team zu führen, mit allem was dazu gehört.

 

 

Immer wieder hört man Weisheiten wie: Lassen Sie Ihren Hund nicht auf das Sofa, der Hund darf nicht ins Bett, gehen Sie immer als erstes durch die Tür usw.! Diese pauschalen Anweisungen für ein besseres Zusammenleben sind einfach nur Quatsch. Wenn Sie und Ihr Hund ein gutes Team sind, dann darf der auch mal auf das Sofa. Wichtig ist nur, dass Sie es ihm erlauben. Das Sie ihn auch wieder runter schicken können. Ein Hund der keine Probleme im Alltag macht, darf auch mal am Abend zum kuscheln kommen.

 

Ob Sie Ihren Hund ins Bett lassen, dass überlasse ich an dieser Stelle Ihrem Hygieneempfinden und Ihrem Partner.

 

 

 

Die Sache mit den Recourcen!

 

Um dem Hund das Gefühl zu geben, dass Sie das Team leiten, müssen Sie wissen, dass es bei Ihren vierbeinigen Lieblingen nur um eines geht: Recourcen.

Wer kontrolliert die Recourcen? Der ist der 1. im Rang!

Recourcen sind zum Beispiel: Futter, Spielzeug (Beute), der beste Liegeplatz, Paarung um mal die Wichtigsten zu nennen.

Stellen Sie sich bitte mal die Frage:

Wo frisst der Hund? Wann frisst der Hund? Wie frisst der Hund? Richtig wäre: Der Hund frisst nicht da wo der Mensch isst. Er wird nicht vom Tisch gefüttert. Der Hund frisst nach seinem Mensch. Der Mensch bestimmt wann der Hund fressen darf. Lassen Sie Ihren Hund ruhig vor der Futterschüssel Sitz machen und zählen sie bis 10 oder auch bis 20. Dann geben Sie ihm das Signal dass er jetzt fressen darf. Füttern Sie Ihren Hund nicht immer um die gleiche Uhrzeit und schon gar nicht wenn er das Futter einfordert. Betteln wird ignoriert.

Wichtig wäre, dass Kauknochen oder Leckerchen zum längeren beschäftigen auf keinen Fall den Hund zur freien Verfügung stehen. Der obligatorische Knochen im Körbchen vermittelt dem Hund, dass er die Recource Futter verwaltet!

Alles wegräumen und dem Hund bei Bedarf zur Verfügung stellen. Hört er auf daran zu kauen und geht weg, kommt auch das Leckerchen wieder in den Schrank.

Sie sind der Verwalter der Recource Futter!

 

Spielzeug ist für den Hund Beute.

Ich musste meinen Hausbesuchen immer wieder festgestellt, dass Hundekörbchen oder Wohnzimmer aussehen wie Kinderzimmer. Überall liegen Spielsachen zur Belustigung des Hundes herum. Hiermit vermitteln Sie dem Hund, dass er diese Recource Beute verwaltet.

Nett anzusehen ist, wenn der Hund dann sein Spielzeug bringt, es dem Besitzer vor die Füße legt und dieser es aufhebt und wirft. Braver Besitzer! Hat er fein gemacht!

Diese Hunde haben durch Ihren scheinbaren Charme Ihre Menschen so im Griff, dass diese es nicht mal merken. Merken Sie es? Richtig wäre: Alle Spielsachen werden für den Hund unerreichbar weggeräumt. Der Mensch holt das Spielzeug bei Bedarf heraus, spielt mit dem Hund, beendet das Spiel wieder und räumt das Spielzeug auch sofort wieder auf.

Der Teamleader bestimmt wann das Spiel beginnt und wann es zu Ende ist.

Wichtig ist, dass es für den Hund klar wird, dass ohne Sie kein Spiel stattfindet. Das hat auch zur positiven Folge, dass Sie als Besitzer wichtig werden. Ein Hund der immer seinen gefüllten Napf und sein Spielzeug um sich hat, sieht wenig Sinn, sich um seinen Menschen zu bemühen? Dieser Hund ist satt. Satt an Zuwendung und an Recourcen!

 

Liegeplätze sind wohl das begehrteste in einer Mensch?Hund?Beziehung. Wer hat den besten Platz auf dem Sofa, am besten mit Blick zum Fernseher. Eigentlich alles kein Problem, solange der Mensch bestimmen kann ob Wauzi jetzt hoch darf oder aber auch wann er wieder zu gehen hat.

Aber glauben Sie bitte nicht, dass ein Sofa die Wurzel des Übels ist. NEIN. Wo liegt der Hund bei den meisten Menschen? Im Flur! Oder im Wohnzimmer, am besten mit freiem Blick auf alle Türen der Wohnung. Oder noch besser mit Blick auf die Eingangstür.

 

 

 

 

Wer kontrolliert wen?

 

Ein Hund der solche Plätze sein Eigen nennt, hat alles unter Kontrolle und im Überblick. Das steht ihm nicht zu.

Sie als Mensch haben zu entscheiden, was kontrolliert wird und was nicht. Und da Sie es Ihrem Hund nicht logisch erklären können, müssen Sie es ihm zeigen indem Sie z.B. seinen Liegeplatz verändern. Am besten ist eine Ecke im Wohnzimmer zwischen Wand und Sofa, von wo aus er nicht direkt zur Türe sehen kann.

Sie werden es nicht glauben, aber eigentlich will Ihr Hund gar nicht die Wohnung überwachen. Das ist nämlich purer Stress.

 

Kennen Sie das? Sie sitzen gemütlich beim Kaffee oder Tee und auf einmal steht Ihr Hund auf und bringt Ihnen Ihre Schuhe, sein Halsband oder gar die Leine? Oder er setzt sich an die Haustüre und zeigt Ihnen eindeutig an, dass es jetzt Zeit für Sie ist sich fürs Gassi gehen anzuziehen?

Wenn der Hund noch Welpe ist, dann super. Dann hat er gelernt anzuzeigen, dass er nun ein dringendes Bedürfnis hat. Aber ein erwachsener Hund, der sollte abwarten bis Sie zum Gassi auffordern.

Spazieren gehen ist eine Art Jagdausflug. Und wer eröffnet den Jagdausflug? Genau: Der Teamleader. Wenn es also bei Ihnen so läuft, wie vorhin beschrieben, wer ist dann die Nummer 1?

Es kommt Besuch und klingelt an der Tür. Wer begrüßt als erster den Besuch? Ihr Hund? Liegt aber bestimmt nicht daran, dass er mit seinen vier Beinen schneller ist als Sie.

Natürlich begrüßt der Teamleader den Besuch zuerst! Wenn Ihr Hund brav liegen bleibt und die erste Begrüßung Ihnen überlässt, dann können Sie sich glücklich schätzen, dann haben Sie es richtig gemacht.

 

 

 

Unterordnung!

 

In der Hundeerziehung wird gerne das Wort Unterordnung benutzt. Wenn man nun dieses Wort genau unter die Lupe nimmt, so bedeutet es nichts anderes als Anpassung. Wenn man als Schüler an eine neue Schule kommt, oder später als Arbeitnehmer in eine neue Firma, so muss man sich dort auch den Regeln unterordnen. Bedeutet nicht unbedingt, dass man körperlich bestraft wird, wenn man einen Fehler mach, nur wird es eine Rüge und damit eine Korrektur des Fehlverhaltens geben.

Im Prinzip ist das mit unseren Hunden auch nicht anders. Wenn der Hund in unsere Gemeinschaft kommt, muss er sich anpassen. Er muss sich an unsere Regeln, die wir ihm vorgeben, halten damit ein problemloses Zusammenleben funktioniert.

 

 

 

Vertrauen!

 

Vieles ist leichter, wenn der Hund Ihnen vertraut. Vertrauen ist das Fundament für die Mensch-Hund-Beziehung.

Sie müssen für Ihren Hund einschätzbar sein. Bedeutet: was er heute darf, sollte er auch morgen dürfen. Inkonsequentes Handeln macht Sie in den Augen Ihres Hundes unglaubwürdig. Ihr Hund wird Unsicherheit als Folge zeigen und das kann in der Erziehung und Ausbildung große Probleme mit sich bringen.

Versuchen Sie eine gerade Linie zu finden und natürlich kann es mal passieren, dass Sie inkonsequent sind, weil es Ihnen vielleicht an einem Tag nicht so gut geht und Sie dann Ihrem Hund mal was durchgehen lassen, was er sonst nicht dürfte. Wir sind nur Menschen und das ist auch nur menschlich. Aber der im Großen und Ganzen sollte Ihr Hund wissen was Sie von ihm wollen und wo sein Platz im Team ist..

Christiane Schober

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